Aktuelles

Offener Brief (vom April 2020, aber nach wie vor aktuell)
der Leitung des Merlin Ensemble Wien (Martin Walch, Hermann Beil und Till A. Körber) zur Situation der freischaffenden Künstler an Staatssekretärin Mag. Lunacek und Kulturstadträtin Mag. Kaup-Hasler

Sehr geehrte Frau Staatsekretärin Mag. Lunacek!
Sehr geehrte Frau Kulturstadträtin Mag. Kaup-Hasler!

Nach einem freundlichen Gespräch mit einer Ihrer Mitarbeiterinnen am 9. April 2020 möchte ich auch im Namen meiner Kollegen einige Gedanken, die freie Kulturszene in Österreich und Wien betreffend, in Worte und Fragen fassen.

Da ich als freier Musiker, Violinist, Gründer und Leiter des Merlin Ensemble Wien und Mitglied des „Chamber Orchestra of Europe“ die jetzige Situation drastisch miterlebe, fragen wir Kunstschaffende uns, ob man aus dieser Krise Schlüsse ziehen kann, ja sogar muss, die diesen „Betrieb“ auch nachhaltig verändern können?

Wir würden gerne dieses Thema in drei Fragen fassen:

1. Gibt es gute Gründe, warum so viele freischaffende KünstlerInnen (Musiker, Schauspieler, Maler, Tänzer) einen großen Teil ihrer Arbeit und Projekte seit Jahren meist außerhalb Österreichs und Wiens präsentieren müssen?

Ein Beispiel:
Die Wiener Festwochen 2020 planten mit einem Budget von ca. 12 Mil. Euro über 280 Veranstaltungen, aber kaum 30 davon mit in Österreich lebenden KünstlerInnen (soweit der Spielplan Einsicht gewährt).

2. Wäre es nicht denkbar, ein „Übergangsprogramm“ mit regionalen, in Österreich lebenden KünstlerInnen zu planen? Einerseits können viele Honorare, Hotel und Reisekosten von den hiesigen Veranstaltern gar nicht ausgezahlt werden, da Orchester und große Projekte den aktuellen Reisebestimmungen unterliegen. Andererseits würde diese Tatsache den freien KünstlerInnen Arbeit und ein Budget verschaffen. Sie könnten ihre Projekte nun in ihrer Stadt präsentieren.

Dafür würden sich natürlich nur kleine flexible Besetzungen bis zu 10 KünstlerInnen eignen, die der jeweiligen Bühnengröße und den aktuellen Bestimmungen entsprechen. Man könnte auch 2 Konzerte für das halbe Publikum zum selben Honorar spielen, am gleichen oder darauffolgenden Tag, sodass der Abstand in den Sitzreihen und alle hygienischen Bedingungen eingehalten werden können. Ein- und Ausgänge könnten wie schon bei Museen, durch „Slots“ reguliert werden. Kassen und Foyerbereiche wären ebenfalls gut kontrollierbar, besser als in jedem Supermarkt. Gleichzeitig wäre das Prinzip „2 für 1 Konzert“ auch eine solidarische Geste von uns ausübenden KünstlerInnen gegenüber den Veranstaltern und dem Publikum. Diesem Beispiel dürfen, so ist zu wünschen, natürlich auch viele andere österreichische Veranstalter folgen!

Haben der oder die Veranstalter nicht auch eine soziale Verantwortung, da selbige ein monatliches Einkommen aus Subventionen erhalten, während Freischaffende ohne Einkommen sind?

Ein Hinweis der Politik, jetzt diesen Rettungsring auszuwerfen, würde die Unabhängigkeit der Intendanten nicht einschränken. Denn es muss um die Solidarität FÜR die Menschen gehen, die auf der Bühne stehen und arbeiten wollen.

3. Wäre diese Idee nicht auch zukunftweisend, um den CO2 Footprint auch weiterhin gering zu halten? Könnte dies nicht auch ein Beispiel für andere Länder sein? Da die Reisebeschränkungen noch lange anhalten werden, müssen KünstlerInnen in Paris, Berlin, London, Rom in Zukunft mehr vor Ort arbeiten, wenn auch in anderer als in der gewohnten Form.

Das Merlin Ensemble Wien könnte jetzt, wie viele andere Formationen in Wien auch - innerhalb kürzester Zeit laufende Projekte ohne viel Probezeit und mit hoher Qualität auf das Podium bringen.
Diese Projekte beinhalten Besetzungen von 2-9 ausführende KünstlerInnen (Musiker, Schauspieler und Tänzer). Als Beispiel zwei aktuelle Projekte des Merlin Ensembles Wien zum Thema KLIMAWANDEL und 75 Jahre: Ende des Zweiten Weltkriegs.

Harald LESCH und Die Vier Jahreszeiten im Klimawandel (Leschs Kosmos / ZDF) 9 Ausführende

Oder:
75 Jahre: Ende des Zweiten Weltkrieges
Musik als Hoffnung! – wider das Vergessen
Theresienstädter Komponisten und Autoren.
Mit Hermann Beil / 4 Ausführende
Diese Beispiele stehen nur stellvertretend für viele andere Projekte und viele andere großartige Ensembles in Wien und Österreich.

Wir hoffen, konkrete Fragen an Sie gestellt zu haben. Aus vielen Gesprächen mit Kollegen/innen wissen wir: Es gibt Ideen die besprochen werden müssen, denn sie betreffen unsere aktuelle und nächste Zukunft. Die Basis und Möglichkeit für die Realisierung muss von der Kulturpolitik in Gesprächen mit uns allen gesucht werden.

Darauf hoffen wir!

Mit freundlichen Grüßen

Martin Walch
Hermann Beil
Till A. Körber

Merlin Ensemble Wien

Internationale Maifestspiele Wiesbaden

(9. Mai 2020) verschoben! Großes Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
HARALD LESCH UND „DIE VIER JAHRESZEITEN IM KLIMAWANDEL“
Mit Vivaldis Musik „Am Heiligen Grabe“ hebt das Programm im illuminierten Konzertsaal mit statischen Klängen an. Darauf folgt die lebensbejahende Musik der „Vier Jahreszeiten“. Harald Lesch, der großartige Fernsehmoderator, Astrophysiker und Naturphilosoph, wird wortgewaltig die brennende Aktualität des Klimawandels, im lebendigen Austausch mit Vivaldis zeitloser Musik, wissenschaftlich beleuchten.
Merlin Ensemble Wien, Solo-Violine & Leitung: Martin Walch
mit Harald Lesch

neuer Termin: 25. Mai 2020 19:30 Uhr Großes Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
WIDER DAS VERGESSEN
Musik und Dichtung aus Theresienstadt
Merlin Ensemble Wien, Violine & Leitung: Martin Walch
mit Hermann Beil

13. August 2020, WIENER KULTURSOMMER, 17:00 Uhr Muthsamgasse
ARIEN und LIEDER ohne WORTE
von Mendelssohn, Rossini, Verdi, Puccini, Mascagni und Leoncavallo
Merlin Ensemble Wien, Violine & Leitung: Martin Walch
Luis Zorita, Violoncello, Till A. Körber, Klavier

22. August 2020, WIENER KULTURSOMMER, Hannah-Arendt-Platz
VERKLÄRTE NACHT
Musik von Franz Schubert, Till A. Körber und Arnold Schönberg
Merlin Ensemble Wien, Violine & Leitung: Martin Walch
Luis Zorita, Violoncello; Till A. Körber, Klavier

29. August 2020, Kulturforum Südburgenland, 19:30 Uhr
Faust
Musik und Dichtung um Liszt und Lenau
Martin Schwab als Faust,
Merlin Ensemble Wien, Martin Walch, Violine; Till A. Körber, Klavier
Martin Schwab, Mephisto, Faust und Erzähler

18. Oktober 2020, Pfarrkirche Thening
Der Blick in die Moderne - 1720-2020
Bachs Sonaten und Partiten für Violine Solo - 300 Jahre jung
Musik von J. S. Bach und Arvo Pärt
Martin Walch, Violine; Till A. Körber, Orgel

27. Jänner 2021, Brucknerhaus Linz, Mittlerer Saal 19:30 Uhr
WIDER DAS VERGESSEN
Musik von Viktor Ullmann, Pavel Haas, Hans Krása, Gideon Klein u.a.
Texte von Leo Straus, Ilse Weber, Jura Soyfer u.a.